Versicherungen für Menschen mit Diabetes – ein Überblick

Mutter mit Kind beim Vorlesen
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Eine gute, umfassende Absicherung und Vorsorge helfen dir, dein Leben mit Diabetes selbstbestimmt zu führen und in vollen Zügen zu genießen. Deshalb ist es ratsam, dass du dich genauer mit der Thematik befasst, um herauszufinden, wie du dich und gegebenenfalls auch deine Familie bestmöglich schützen kannst. Unser Beitrag liefert dir einen ersten Überblick und beantwortet wichtige Fragen wie:

  • Warum ist ein umfangreicher Versicherungsschutz für Menschen mit Diabetes besonders bedeutsam?

  • Wie bewerten Versicherungsgesellschaften Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 im Hinblick auf einen Vertragsabschluss? 

  • Welche Versicherungsarten gibt es und welche davon haben für Menschen mit Diabetes wirklich Relevanz?

  • Was sind die größten Herausforderungen für Menschen mit Diabetes, wenn sie eine (private) Versicherung abschließen wollen?

  • Was können Menschen mit Diabetes tun, um ihre Chancen auf einen rundum guten Versicherungsschutz zu erhöhen?

Warum ein umfangreicher Versicherungsschutz für Menschen mit Diabetes besonders bedeutsam ist

Als Mensch mit Diabetes hast du ein erhöhtes Risiko für kurzfristige Komplikationen wie Über- und Unterzuckerungen sowie langfristige Spätfolgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall oder Augen- und Nierenerkrankungen. Diese wiederum können zu Berufs- oder gar Erwerbsunfähigkeit und im schlimmsten Fall zu Pflegebedürftigkeit oder gar zum Tod führen. Keine Sorge: Wenn dein Diabetes gut eingestellt ist und du einen gesunden Lebensstil pflegst, sind das die besten Voraussetzungen, um den genannten und anderen gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. Dennoch solltest du dich als betroffene Person möglichst vollständig absichern – dir selbst und auch deinen Angehörigen zuliebe.

Wir sind prinzipiell dafür, optimistisch an die Dinge heranzugehen; im Kontext Versicherungen ist es allerdings entscheidend, sich am Worst Case zu orientieren, um im Ernstfall gravierende finanzielle Folgen zu verhindern: Wenn dir irgendwann durch den Diabetes etwas Schlimmeres zustößt, das eine kostenintensive Behandlung erfordert, willst du dadurch weder selbst in die Armut abrutschen noch deine Familie in Not bringen. Aus diesen Gründen sind beispielsweise eine umfangreiche Pflegeversicherung und/oder eine private Renten- oder Risikolebensversicherung für Menschen mit Diabetes sehr wichtig. Gut versichert, können du und deine Lieben schwere Zeiten besser überstehen.

Nicht zu unterschätzen: Mit einem umfangreichen Versicherungsschutz in der Tasche bist du auch psychisch wesentlich entspannter, was sich wiederum positiv auf deine physische Verfassung auswirken kann. Und was du außerdem noch wissen solltest: Einige Versicherungen kannst du von der Steuer absetzen lassen beziehungsweise steuerlich geltend machen.

Diabetes als Risikofaktor aus Sicht der Versicherungsgesellschaften

Um zu verstehen, inwiefern Diabetes aus Sicht der Versicherungsgesellschaften ein erheblicher Risikofaktor ist, müssen wir zunächst zwischen gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherungen unterscheiden.

Die gesetzlichen Krankenkassen, kurz GKV, sind eine sogenannte Solidargemeinschaft: Alle Mitgliedsbeiträge plus staatliche Budgets kommen in einen Topf. Aus diesem müssen sämtliche Ausgaben bestritten werden. Die Höhe der Mitgliedsbeiträge richtet sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit – sprich dem Einkommen – des Individuums. Trotz unterschiedlicher Beitragshöhen haben alle Versicherten den gleichen Anspruch auf medizinische Versorgung. Und: Durch die Aufnahmepflicht kann sich jeder Mensch unabhängig vom Gesundheitszustand gesetzlich krankenversichern lassen.

Im Gegensatz zu gesetzlichen Krankenkassen arbeiten private Versicherungsgesellschaften gewinnorientiert. Um einen möglichst hohen Profit zu erzielen, sind sie bestrebt, Risiken und Kosten gering zu halten. Da eine chronische Erkrankung hohe Kosten verursachen kann, ist Diabetes aus ihrer Sicht ein erheblicher Risikofaktor. Deshalb haben es Betroffene der Stoffwechselerkrankung nach der Diagnose oft schwer, eine private Versicherung abzuschließen. Und wenn es doch einen Weg “hinein” gibt, geht dieser gemeinhin mit ungünstigen Konditionen einher – in jeder Hinsicht. Darauf kommen wir weiter unten genauer zu sprechen.

Aber: Auch wenn die Herausforderungen groß sind, ist es aus den weiter oben genannten Gründen wichtig, dass du dich über die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen hinaus um einen guten Versicherungsschutz kümmerst. Wir wollen dir nichts vormachen: Durch deinen Diabetes musst du bei privaten Versicherungen prinzipiell mit nachteiligen Konditionen im Vergleich zu Menschen ohne chronische Erkrankung rechnen. Gleichzeitig möchten wir dir aber Mut machen, denn: Du kannst einiges tun, um diese Nachteile zu reduzieren. Welche Möglichkeiten du hast, erfährst du nach und nach in diesem Beitrag.

Unterschiede zwischen Diabetes Typ 1 und Typ 2 im Kontext Versicherungen

Versicherungsgesellschaften stufen Diabetes Typ 1 in der Regel als risikoreicher ein als Diabetes Typ 2. Deshalb sind private Versicherungen – beispielsweise Lebensversicherungen – für Menschen mit Typ 1 Diabetes im Vergleich zu Betroffenen von Typ 2 Diabetes meist schwerer zugänglich. Aber: Leicht wird es auch Letzteren nicht gemacht. Im Endeffekt ist es für alle Menschen mit Diabetes komplizierter, Versicherungen zu vernünftigen Konditionen abzuschließen, weshalb es einer sorgfältig durchdachten Vorgehensweise bedarf, um dennoch einen möglichst lückenlosen Versicherungsschutz zu erreichen.

Einfluss von HbA1c, Folgeerkrankungen und Lebensstil

Der HbA1c-Wert, der Lebensstil und Folgeerkrankungen beeinflussen deine Chancen auf den Abschluss einer privaten Versicherung maßgeblich. Dabei gilt:

  • Aus Sicht der Versicherungsgesellschaften deutet ein guter HbA1c-Wert auf einen gut eingestellten Diabetes und damit ein geringeres Risiko für akute Komplikationen und langfristige Folgeerkrankungen hin. Dies verbessert deine Aussichten auf einen Versicherungsabschluss. Umgekehrt führt ein schlechter HbA1c-Wert nahezu immer zu einer Ablehnung. Deshalb solltest du in einer solchen Situation gar nicht erst einen Antrag stellen.

  • Wenn bereits eine oder gar mehrere Folgeerkrankungen vorliegen, ist vielen Versicherungsgesellschaften das Risiko zu hoch und eine Ablehnung oft vorprogrammiert. Deshalb spielt ein optimales Diabetes-Management DIE entscheidende Rolle – im Übrigen nicht “nur” im Versicherungskontext, sondern insgesamt für deine Lebensqualität. 

  • Ein nachweislich gesunder Lebensstil kann deine Eintrittskarte in einen privaten Versicherungsschutz zu vergleichsweise soliden bis guten Konditionen sein. Indem du dich vernünftig ernährst, Stress reduzierst, ausreichend schläfst, deine Blutzuckerwerte im Zielbereich hältst, regelmäßig Sport treibst und auf Rauchen und Alkohol verzichtest, beugst du diabetischen Komplikationen vor und erhöhst deine Chancen auf den Abschluss einer privaten Versicherung trotz Diabetes.

Die Relevanz der Gesundheitsfragen

Versicherungsgesellschaften führen ihre Risikoprüfungen auf Basis verschiedener Gesundheitsfragen durch. Hier einige Angaben im Überblick, die du bei einem Antrag typischerweise machen musst:

  • Diabetes-Typ (z.B. Typ 1 oder Typ 2)

  • Zeitpunkt der Diabetes-Diagnose

  • Folgeerkrankungen/Befunde seit Feststellung des Diabetes: z.B. Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, pathologischer Urinbefund (z.B. Eiweiß im Urin), Veränderungen des Augenhintergrundes, Durchblutungsstörungen im Bereich des Gehirns, des Herzens, der Aorta oder der Extremitäten, Empfindungsstörungen im Bereich der Beine, EKG-Veränderungen, Gangrän, Koma, Schock, andere

  • letzter HbA1c-Wert in %

  • Rauchverhalten

  • Alkoholkonsum

  • Alter

  • Größe

  • Gewicht

Gleich, um welche Art von Versicherung es geht: Du musst jede Frage im Antragsformular wahrheitsgemäß und vollständig beantworten. Ansonsten ist dein Versicherungsschutz im Ernstfall unter Umständen unwirksam. Du kannst dir sicher sein, dass die Versicherungsgesellschaft bei Eintritt des Versicherungsfalls alle deine Angaben noch einmal auf Herz und Nieren überprüft, um vielleicht ein Schlupfloch zu finden und sich die Übernahme der Kosten zu sparen. Tatsächlich ist das Unternehmen berechtigt, die Leistung zu verweigern, wenn es herausfindet, dass du falsche Angaben gemacht oder etwas verschwiegen hast. Deshalb solltest du alle Fragen wirklich ehrlich und umfassend beantworten. Ansonsten kann das am Ende sehr teuer für dich werden.

Ärztlicher Bericht für die Risikobewertung 

Oftmals verlangt die Versicherungsgesellschaft für die Risikobewertung einen ärztlichen Bericht. Zu diesem Zweck legt sie deinem behandelnden Arzt oder deiner behandelnden Ärztin einen sogenannten Diabetes-Fragebogen vor, der zahlreiche Fragen zu deinem Gesundheitszustand beinhaltet. Diese alle aufzulisten, würde dich nur langweilen oder aufregen (oder beides…), deshalb sparen wir uns das. Allerdings solltest du dir darüber im Klaren sein, dass sie sehr ins Detail gehen. Das Versicherungsunternehmen will alles ganz genau wissen – und jede einzelne gesundheitliche Einschränkung deinerseits verschlechtert die Konditionen beziehungsweise erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass du komplett abgelehnt wirst. Wir betonen das nur, um dir noch einmal zu verdeutlichen, wie wichtig es auch für Versicherungsabschlüsse ist, dass du gut auf dich achtest und dein Diabetes-Management maximal ernst nimmst.

Vorgehensweise bei der Gesundheitsprüfung: objektives und subjektives Risiko

Um die Versicherbarkeit zu prüfen und die möglichen Beiträge zu beziffern, führen  Versicherungsgesellschaften eine komplexe Gesundheits- beziehungsweise Risikoprüfung meist nach dem gleichen Schema durch:

1. Betrachtung der versicherungstechnischen Rahmendaten:

  • Tarif bzw. Versicherungsprodukt

  • Höhe der beantragten Versicherungssumme

  • Eintrittsalter

  • Vertragslaufzeit

  • Beruf der zu versichernden Person

2. Prüfung des objektiven Risikos

Hierbei zieht die Versicherungsgesellschaft die mittels Fragebogen ermittelten Informationen über den zu versichernden Menschen mit Diabetes heran und gleicht die Daten mit objektiven / statistischen Erfahrungswerten bei anderen Betroffenen mit ähnlichen Voraussetzungen ab. Folgende Aspekte spielen dabei eine Rolle:

  • Lebenserwartung

  • Unfallgefährdung

  • Eintritt der Berufsunfähigkeit

  • Eintritt der Pflegebedürftigkeit

Sterbetafeln, Unfallstatistiken sowie statistische Untersuchungen über die Häufigkeit und den Zeitpunkt des Eintritts einer Berufsunfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit dienen den Versicherungsgesellschaften dazu, die Anzahl und den Zeitpunkt von Schadensfällen zu ermitteln beziehungsweise einzuschätzen, um auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse das Risiko und den entsprechenden Beitrag festzulegen – sofern sich die Person überhaupt “qualifiziert”.

3. Prüfung des subjektiven Risikos

Das subjektive Risiko hängt ganz von deinen Einstellungen und Verhaltensweisen ab. Anders als die objektive Risikoprüfung kannst du diesen Teil also selbst beeinflussen. Wesentliche Punkte sind:

Entscheidend ist deine “Compliance”, wie es im Fachjargon heißt: Wenn du deutlich machen beziehungsweise nachweisen kannst, dass du dich bewusst gesund ernährst, regelmäßig bewegst und auf Rauchen und Alkohol verzichtest, hast du definitiv bessere Chancen auf einen privaten Versicherungsschutz zu passablen Konditionen.  

Resultierende Herausforderungen bei Vertragsabschlüssen

Dadurch, dass Versicherungsgesellschaften Diabetes als risikoreich bewerten, haben es betroffene Menschen bei Vertragsabschlüssen im Vergleich zu Personen ohne chronische Erkrankung grundsätzlich deutlich schwerer. Mit einem oder mehreren der folgenden Nachteile musst du rechnen:

  • Ablehnung

  • Risikozuschläge bei den Prämien (höhere Beiträge)

  • Ausschluss bestimmter Leistungen

  • Begrenzung der Versicherungsdauer auf ein niedrigeres Endalter der versicherten Person

  • Begrenzung der Leistungsdauer auf ein jüngeres Alter der versicherten Person

  • Begrenzung der Versicherungssumme oder der Rentenhöhe

Potenziell bedeutsame Versicherungsarten für Menschen mit Diabetes im Überblick

Wir befassen uns in separaten Beiträgen noch ausführlich mit den verschiedenen Versicherungsarten, die für Menschen mit Diabetes potenziell relevant sind. Im Folgenden listen wir sie deshalb erst einmal nur kurz auf, damit du einen grundlegenden Überblick hast.

Krankenversicherung: Sie ist der Standard für deine Gesundheitsversorgung. Von regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen bis hin zu therapeutischen Mitteln wie Insulin, CGM-Systemen und Pumpen übernimmt sie die Kosten für alles Grundlegende.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Sie sichert dich finanziell ab, wenn du aufgrund des Diabetes oder einer diabetischen Folgeerkrankung deinen Beruf über einen längeren Zeitraum oder dauerhaft nicht mehr ausüben kannst. Mit einer monatlichen Rente hilft sie dir, deinen gewohnten Lebensstandard aufrechtzuerhalten.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung: Sie zahlt eine monatliche Rente, wenn du gesundheitlich derart eingeschränkt bist, dass du überhaupt keine Arbeit mehr ausüben kannst.

Kapitallebensversicherung oder private Rentenversicherung: Sie dienen in erster Linie der privaten Altersvorsorge durch den Aufbau von Kapital. Im Erlebensfall erhältst du die vertraglich festgelegte Versicherungssumme zum vereinbarten Zeitpunkt ausbezahlt; stirbst du vorher, bekommen deine Angehörigen den bis dahin angesparten Teil.

Kapitallebensversicherungen stehen in der Versicherungsbranche für die private Altersvorsorge jedoch nicht mehr im Fokus. Private Rentenversicherungen machen mittlerweile den Großteil des Neugeschäfts aus und werden auch entsprechend beworben. Eine private Rentenversicherung ist eine freiwillige Altersvorsorge, bei der man einmalig oder regelmäßig Beiträge einzahlt, um ab einem festgelegten Zeitpunkt eine vereinbarte monatliche Rente zu erhalten. Sie ergänzt die gesetzliche Rente und bietet zusätzliche finanzielle Sicherheit im Alter. Man kann je nach Anbieter selbst entscheiden, wie chancen- oder sicherheitsorientiert die Kapitalanlage ausgerichtet sein soll. Bei manchen Versicherern besteht zum Beispiel die Möglichkeit, vorzeitig Kapital zu entnehmen, den Rentenbeginn zu ändern, die Beiträge zu erhöhen, zu verringern oder auszusetzen.

Risikolebensversicherung: Sie zahlt deinen Angehörigen bei deinem Tod die vereinbarte Versicherungssumme aus. Die Kosten sind gemeinhin niedriger als bei einer klassischen privaten Rentenversicherung, weil im Erlebensfall keine Auszahlung erfolgt. Im Artikel zu Risikolebensversicherung mit Diabetes findest du detaillierte Informationen sowie Tipps zur Antragstellung.

Pflegeversicherung: Sie leistet finanzielle Unterstützung, wenn du pflegebedürftig wirst. Mit einer gesetzlichen Krankenversicherung bist du automatisch auch gesetzlich pflegeversichert. Jedoch kann es sinnvoll sein, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen, um im Falle des Eintritts der Pflegebedürftigkeit Anspruch auf mehr und/oder bessere Leistungen zu haben.

Unfallversicherung: Sie deckt die Folgen eines Unfalls finanziell ab. Während Selbständige mit Diabetes unbedingt eine Unfallversicherung abschließen sollten, sind “gewöhnliche” ArbeitnehmerInnen durch das arbeitgebende Unternehmen unfallversichert. Allerdings kann eine Unfallzusatzversicherung auch den Letztgenannten unter Umständen Vorteile bringen.

Krankentagegeldversicherung: Sie zahlt bei längerer Krankheit ein tägliches Einkommen aus, um den Verdienstausfall zu kompensieren.

Zahnzusatzversicherung: Sie dient dazu, die Kosten für zahnärztliche Behandlungen zu decken, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht oder nur teilweise übernommen werden.

Auslandsreisekrankenversicherung: Sie schützt dich vor hohen Behandlungskosten im Ausland, falls du auf Reisen eine medizinische Versorgung und eventuell einen Rücktransport in deine Heimat benötigst. Denk daran: Die europäische Krankenversicherungskarte deckt nur grundlegende Leistungen ab. Daher kann gerade für längere Auslandsaufenthalte eine spezielle Reisekrankenversicherung wertvoll sein. Beim Thema “Rücktransport” achte in der Versicherungs-Police auf die Formulierung “medizinisch sinnvoll” und nicht nur wenn “medizinisch notwendig” – so hast du größere Chancen auf den Rücktransport nach Hause.

Welche Versicherungen sind wirklich sinnvoll und was muss/kann ich nicht gesondert absichern?

Für Menschen mit Diabetes ist eine gesetzliche Krankenversicherung die elementare Basis. Durch die Aufnahmepflicht vonseiten der gesetzlichen Krankenkassen musst du dir hier keine Gedanken machen, abgelehnt zu werden oder mehr zu zahlen als Menschen ohne chronische Erkrankung. Gemäß dem Solidaritätsprinzip entscheidet einzig und allein deine Einkommenssituation über die Höhe deiner Versicherungsbeiträge. Du hast dieselben Leistungsansprüche wie alle anderen gesetzlich Krankenversicherten auch. Zudem ist die gesetzliche Pflegeversicherung automatisch inbegriffen. Unter Umständen kann es sich lohnen, den Umfang der gesetzlichen Pflegeversicherung durch die eine oder andere Zusatzversicherung zu erweitern, beispielsweise die Pflegekostenvorsorge.

Darüber hinaus kann je nach individueller finanzieller und privater/familiärer Situation eine private Renten- oder Risikolebensversicherung Sinn ergeben, um für dich selbst und/oder deine Angehörigen vorzusorgen. Anstelle einer Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die für Menschen mit Diabetes im Grunde immer schwer oder gar nicht zu bekommen ist, bemühst du dich vielleicht besser um eine Krankentagegeldversicherung. Zwar musst du dabei genauso mit Risikozuschlägen rechnen, doch die Chancen auf einen Versicherungsabschluss sind höher. Wissenswert in diesem Zusammenhang: Wenn du gesundheitlich so eingeschränkt bist, dass du selbst einfachen Tätigkeiten nicht mehr für mindestens sechs Stunden am Tag nachgehen kannst, hast du Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Planst du eine längere Reise ins Ausland, solltest du zumindest darüber nachdenken, eine Auslandsreisekrankenversicherung abzuschließen.

Bei welchen Versicherungen spielt Diabetes keine Rolle?

Abgesehen von der gesetzlichen Krankenversicherung mit integrierter Pflegeversicherung spielt Diabetes auch bei sämtlichen Versicherungen für den Sachbereich keine Rolle. Wenn du also beispielsweise eine Kfz-, Privathaftpflicht-, Hausrat- und/oder Rechtsschutzversicherung abschließen willst, musst du keine Gesundheitsfragen beantworten und wirst genau wie alle anderen Versicherten behandelt.

Apropos Rechtsschutzversicherung: Falls du eine oder mehrere private Zusatzversicherungen in Erwägung ziehst, könnte es sinnvoll sein, vorab eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen. Denn wenn irgendwann der Versicherungsfall eintritt, kann es durchaus passieren, dass die jeweilige Versicherungsgesellschaft die Leistung verweigert und der Gang vors Gericht erforderlich wird. Dann bist du mit einer guten Rechtsschutzversicherung definitiv besser dran, weil du die Anwalts- und Gerichtskosten nicht aus eigener Tasche bezahlen musst.

Kosten am Beispiel einer Risikolebensversicherung

Die monatlichen Kosten für Versicherungen mit Diabetes variieren je nach Versicherungstyp, Versicherungsgesellschaft, individuellen Risikofaktoren wie Alter und HbA1c-Wert sowie gegebenenfalls in Abhängigkeit von der gewählten Versicherungssumme. Konkrete Angaben zu machen, ist aufgrund der vielen individuellen Faktoren schwierig; doch um dir einen Eindruck zu vermitteln, wie sich die Beiträge unterscheiden können, haben wir ein paar Kostenbeispiele für eine Risikolebensversicherung zusammengetragen (Quelle). Diese sind allerdings nicht verbindlich, sondern dienen lediglich zur groben Orientierung.

Alter in Jahren bei VertragsabschlussAlter in Jahren bei VertragsendeAnzahl der Jahre seit der Diabetes-DiagnoseHbA1c-Wert bei VertragsabschlussVersicherungssummeKosten pro Monat
3060106,8%100.000 €ca. 18 €
3560207,5%100.000 €ca. 27 €
406058,5%100.000 €ca. 22 €

Tipps zur optimalen Absicherung und für Anträge

In diesem Abschnitt geben wir dir einige konkrete Tipps dazu, wie du deine Anträge bei Versicherungsgesellschaften am besten angehst:

  • Dokumentiere deinen Gesundheitszustand.

  • Beauftrage spezialisierte VersicherungsmaklerInnen.

  • Informiere dich genau und lies das Kleingedruckte.

  • Prüfe deine bestehenden Versicherungen.

  • Sichere dich frühzeitig ab. 

Gesundheitszustand dokumentieren

Dokumentiere deinen Gesundheitszustand detailliert und übersichtlich, um den Versicherungsgesellschaften die erforderlichen Informationen vollständig vorlegen zu können. Erwähne dabei unbedingt auch alle auftretenden Komplikationen (Ehrlichkeit!), aber hebe deine erfolgreichen Gegenmaßnahmen hervor.

Spezialisierte VersicherungsmaklerInnen beauftragen

Wenn du eine private Versicherung abschließen willst, wendest du dich vorab am besten an einen unabhängigen Versicherungsmakler oder eine unabhängige Versicherungsmaklerin. Diese spezialisierten Fachkräfte kennen den Versicherungsmarkt sehr genau und wissen, welche Versicherungsgesellschaften für Menschen mit Diabetes in Betracht kommen. Außerdem können sie Angebote abfragen, ohne deine konkreten Daten – sprich vor allem deinen Namen – preisgeben zu müssen. Findet sich dabei eine Offerte, bei der alle Rahmenbedingungen passen, kannst du die Versicherung danach mit deinen persönlichen Daten abschließen. Dadurch, dass du zunächst anonym bleibst, ist das Risiko geringer, dass eine Versicherungsgesellschaft deinen Antrag nur deshalb ablehnt, weil ein anderes Versicherungsunternehmen bei deinem Namen im zentralen Kundenregister der Versicherer (HIS) bereits seine Absage vermerkt hat.

Genau informieren und Kleingedrucktes lesen

Die Vertragsbedingungen sind entscheidend. Denn eine Versicherung, die genau dann nicht zahlen will, wenn der Diabetes irgendwie am Schadensfall mitwirkt, ist üblicherweise unbrauchbar. Deshalb solltest du dir immer alles ganz genau durchlesen und einen Vertrag nur dann unterzeichnen, wenn du jede einzelne Klausel wirklich richtig verstanden hast und d’accord bist. Im Vertrag muss eindeutig stehen, dass dein Anspruch auf die jeweilige Leistung auch dann gegeben ist, wenn dein Diabetes zum Versicherungsfall führt. Aber: Du solltest dir auch deiner Eigenverantwortung bewusst sein und vernünftig handeln, um deinen Versicherungsschutz zu bewahren. Beispiel: Wenn du dich unterzuckert ans Steuer setzt und einen Unfall verursachst, wird das möglicherweise als fahrlässiges Verhalten deinerseits bewertet und berechtigterweise eine Leistungsverweigerung nach sich ziehen.

Bestehende Versicherungen prüfen

Nimm dir die Zeit, deine aktuellen Versicherungen sorgfältig zu prüfen. Dabei findest du eventuell Leistungslücken, die du schließen solltest – entweder durch den Abschluss bestimmter Zusatzversicherungen oder durch den Wechsel zu einer anderen Versicherungsgesellschaft. Umfassende Vergleiche lohnen sich – selbst bei den gesetzlichen Krankenkassen gibt es teilweise relevante Unterschiede, was den Leistungsumfang betrifft.

Frühzeitig absichern

Schließe Versicherungen so früh wie möglich ab, um deine Chancen auf eine Zusage und gute Konditionen zu erhöhen. Denn je älter du bist beziehungsweise je länger du schon Diabetes hast, desto schlechter sind gemeinhin deine Aussichten auf einen soliden Vertrag. Aber: Vermeide es trotzdem, Anträge zu stellen, wenn dein Diabetes gerade nicht optimal eingestellt ist. Denn dahingehend agieren alle privaten Versicherungsgesellschaften gleich: Menschen, die ihre Erkrankung nicht gut unter Kontrolle haben, werden abgelehnt oder erhalten Angebote, die sich absolut nicht lohnen.

Häufige Fragen rund um den Abschluss von Versicherungen mit Diabetes

Was passiert, wenn ich meinen Diabetes bei Antragstellung verschweige?

Wenn du deinen Diabetes bei Antragstellung verschweigst, ist der Versicherungsschutz unwirksam. Denn tritt der Versicherungsfall ein, prüft die Versicherungsgesellschaft alles noch einmal sehr genau, um sich die Kosten zu sparen. Findet sie im Zuge dessen heraus, dass du über etwas Wesentliches nicht wahrheitsgemäß oder unvollständig Auskunft gegeben hast, ist sie berechtigt, dir die Leistung zu verweigern.

Nimmt mich jede Versicherung an?

Gesetzliche Krankenkassen müssen jeden Menschen – ob mit oder ohne Diabetes – annehmen. Demgegenüber haben private Versicherungsgesellschaften diese Verpflichtung nicht. Sie lehnen Betroffene vielfach ab, weil chronische Erkrankungen aus Sicht der gewinnorientiert arbeitenden privaten Unternehmen ein stark erhöhtes Verlustrisiko darstellen.

Wie kann ich herausfinden, welche Versicherungen mich annehmen würden?

Um risikolos herauszufinden, welche Versicherungen dich zu welchen Konditionen annehmen würden, beauftragst du am besten einen unabhängigen Versicherungsmakler oder eine unabhängige Versicherungsmaklerin. Diese Person kann deine Gesundheitsdaten anonymisiert an verschiedene Versicherungsanbieter übermitteln und so klären, welche davon für dich infrage kommen könnten. 

Kann man Gesundheitsdaten “positiv” präsentieren, um bessere Konditionen zu bekommen?

Wichtig ist, dass du komplett ehrlich bist. Das impliziert auch, nichts zu verschweigen. Beantworte bei Anträgen alle Fragen maximal ausführlich. Aber: Stelle Anträge nur, wenn dein Diabetes gut eingestellt ist. Ansonsten hast du von vornherein praktisch keine Chance, eine Versicherung abzuschließen. Was du aber tun kannst: Gestalte die Dokumentation deines Gesundheitszustandes mit klarem Fokus auf positive Aspekte – wenn du beispielsweise eine Unterzuckerung hattest, solltest du betonen, wie schnell und gut du diese beheben konntest. Dies signalisiert den Versicherungsgesellschaften ein effektives Diabetes-Management.

Was kann ich tun, wenn die Versicherung nicht zahlt?

Leider müssen gerade Menschen mit chronischen Erkrankungen häufig um ihr Recht kämpfen. Bis zu einer bestimmten Summe – circa 10.000 Euro – vermittelt der Ombudsmann der Versicherungen kostenlos. Geht es um einen höheren Betrag, bleibt meist nur der Weg übers Gericht – und der ist teuer. Für einen solchen Fall hast du idealerweise schon vor deinen gesundheitsbezogenen privaten Versicherungen eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen, die Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt, wenn sich eine Versicherungsgesellschaft weigert, eine bestimmte Leistung zu erbringen. Letztere muss natürlich vertraglich festgelegt sein, damit du den Prozess gewinnen kannst.

Welche Versicherungen kann ich von der Steuer absetzen?

Die Beiträge für viele Versicherungen kannst du als Sonderausgaben von der Steuer absetzen beziehungsweise steuerlich geltend machen. Dazu zählen Kranken- und Krankenzusatzversicherung, Pflege- und Pflegezusatzversicherung, Unfallversicherung, Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung, Krankentagegeldversicherung, Risikolebensversicherung und auch eine Auslandsreisekrankenversicherung. Bis auf reine Sachversicherungen kannst du so gut wie alle Versicherungen bei der Steuer angeben, zum Teil aber nur unter bestimmten Voraussetzungen auch absetzen.

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