Früherkennung von Diabetes Typ 1

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Diabetes Typ 1 kann sich lange in deinem Körper entwickeln, ohne dass du etwas davon bemerkst. Deshalb ist die Möglichkeit der Früherkennung so wichtig: Wenn rechtzeitig festgestellt wird, dass du ein erhöhtes Risiko oder einen bereits beginnenden Diabetes hast, lassen sich Komplikationen wie eine diabetische Ketoazidose vermeiden und die Behandlung gut planen. Das gilt sowohl für Kinder als auch für Erwachsene.

Bei Typ 1 Diabetes können bestimmte Autoantikörper schon Jahre vor den ersten spürbaren Beschwerden auf den einsetzenden Autoimmunprozess hinweisen. Deshalb ist eine Früherkennung mithilfe eines entsprechenden Tests prinzipiell gut möglich. Doch damit ein solcher Autoantikörper-Test durchgeführt wird, braucht es eine Indikation, also einen Grund. Das können bestimmte Symptome oder ein bekannter Diabetes in der Familie sein.

In diesem Beitrag geben wir dir einen umfassenden Überblick zur Früherkennung des autoimmunen Diabetes-Typs. Dabei gehen wir auf alle wesentlichen Aspekte ein – von typischen körperlichen Anzeichen bis hin zu konkreten Blutwerten, die frühzeitig auf Diabetes Typ 1 hinweisen.

Typische Symptome von Diabetes Typ 1 

Die ersten Anzeichen können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Wenn der Autoimmunprozess bereits weit fortgeschritten und der Blutzucker folglich stark erhöht ist, treten jedoch einige typische Beschwerden auf. Sie entstehen vor allem dadurch, dass der Körper überschüssige Glukose über den Urin ausscheidet. Glukose bindet Wasser. Dadurch verliert der Körper viel Flüssigkeit. Nimm auffällige Veränderungen unbedingt ernst – auch wenn die Beschwerden zunächst vielleicht harmlos wirken.

Allgemeine Symptome bei einem stark erhöhten Blutzucker

Typische Warnzeichen sind:

  • ungewöhnlich starker Durst

  • häufiges Wasserlassen, auch nachts

  • ungewollter Gewichtsverlust

  • ständige Müdigkeit und Erschöpfung

  • Leistungsknick oder Konzentrationsprobleme

  • trockene Haut und Schleimhäute

  • Sehstörungen wie plötzlich verschwommenes Sehen

  • wiederkehrende Infektionen, beispielsweise der Haut oder im Genitalbereich

  • bei Kindern zusätzlich: erneutes Einnässen, obwohl das Kind bereits trocken war

Ketoazidose

Bei einem unentdeckten Typ 1 Diabetes kann sich eine diabetische Ketoazidose (DKA) entwickeln. Sie tritt häufig rund um die Erstdiagnose auf und ist ein medizinischer Notfall. Weil dem Körper Insulin fehlt, kann er die über die Nahrung aufgenommene Glukose nicht ausreichend verwerten, sodass er stattdessen vermehrt Fett abbaut. Dabei entstehen Ketonkörper, die das Blut übersäuern können. Typische Warnzeichen dieser Komplikation sind zusätzlich zu den oben genannten Symptomen des stark erhöhten Blutzuckers vor allem Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe oder schnelle Atmung und ein auffälliger, süßlich nach Aceton riechender Atem. Bei Verdacht musst du umgehend medizinische Hilfe holen. Wie du die Symptome einer diabetische Ketoazidose rechtzeitig erkennst und richtig handelst, erfährst du in unserem Beitrag dazu. 

Wann sollte ich zu einem Arzt oder einer Ärztin?

Wenn du typische Symptome eines erhöhten Blutzuckers bemerkst, solltest du zeitnah deinen Hausarzt oder deine Hausärztin aufsuchen. Das gilt besonders bei starkem Durst, häufigem Wasserlassen und ungeklärtem Gewichtsverlust. Bei Kindern solltest du lieber einmal zu früh als zu spät nachfragen. Kommen Erbrechen, Bauchschmerzen, tiefe Atmung oder starke Benommenheit hinzu, besteht der Verdacht auf eine Ketoazidose. Dann brauchst du sofort medizinische Hilfe. Für genauere Informationen empfehlen wir dir unseren Beitrag über Komplikationen bei Diabetes Typ 1.

Möglichkeiten der Früherkennung von Diabetes Typ 1

Wie eingangs erwähnt, ist Diabetes Typ 1 eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem greift dabei die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse an. Dieser Prozess beginnt meist lange, bevor erste typische Symptome auftreten. Deshalb ist eine Früherkennung grundsätzlich möglich: Bestimmte Inselautoantikörper lassen sich bereits Monate oder sogar Jahre vor einem dauerhaft erhöhten Blutzucker im Blut nachweisen. Das ist besonders bei Kindern interessant. Denn wenn eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen späteren Typ 1 Diabetes früh bekannt ist, können Familien vorbereitet und engmaschig betreut werden. So lässt sich eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Ketoazidose bei der Manifestation möglicherweise vermeiden. Zum Vergleich: Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Rate ohne Früherkennung bei über 30 Prozent liegt, während sie mit Früherkennung auf unter drei Prozent sinkt. Außerdem kann die Früherkennung den Zugang zu speziellen Studien und neuen Präventionsansätzen eröffnen sowie Langzeitfolgen durch eine Schädigung der kleinen und großen Blutgefäße vorbeugen.

Autoantikörper-Test

Für die Früherkennung von Diabetes Typ 1 wird das Blut auf sogenannte diabetesassoziierte Inselautoantikörper untersucht. Sie richten sich gegen Strukturen der insulinproduzierenden Betazellen oder gegen Insulin selbst. Besonders wichtig sind folgende vier Antikörper:

  • GAD-Antikörper (GADA): Sie richten sich gegen das Enzym Glutamatdecarboxylase (GAD), das unter anderem an der Bildung des Botenstoffs GABA beteiligt ist. GADA sind ein wichtiger Hinweis auf den Autoimmunprozess bei Typ 1 Diabetes.

  • IA-2-Antikörper (IA-2A): Sie richten sich gegen das Enzym IA-2 in den insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Ihr Nachweis deutet auf einen Autoimmunprozess hin.

  • ZnT8-Antikörper (ZnT8A): Sie richten sich gegen den Zinktransporter 8 (ZnT8), ein Protein der insulinproduzierenden Betazellen. Diese Antikörper können zusätzliche Hinweise auf einen beginnenden Typ 1 Diabetes liefern, insbesondere wenn andere Autoantikörper nicht nachweisbar sind.

  • Insulinautoantikörper (IAA): Sie richten sich gegen körpereigenes Insulin und gehören häufig zu den frühesten nachweisbaren Autoantikörpern bei Diabetes Typ 1. Vor allem bei kleinen Kindern spielen sie bei der Früherkennung eine wichtige Rolle.

Auch Inselzellantikörper (ICA) können bei Typ 1 Diabetes vorkommen. In der modernen Früherkennung stehen jedoch meist GADA, IA-2A, ZnT8A und IAA im Vordergrund. Der Nachweis von zwei oder mehr verschiedenen Inselautoantikörpern ist sehr aussagekräftig und gilt als Hinweis darauf, dass der Typ-1-Diabetes-Autoimmunprozess bereits eingesetzt hat.

3-Stadien-Modell

Die moderne Typ-1-Diabetes-Früherkennung unterscheidet drei Stadien:

Stadium 1: Autoimmunität ohne Blutzuckererhöhung

Es sind mindestens zwei diabetesassoziierte Inselautoantikörper nachweisbar. Der Blutzucker ist noch normal und es bestehen keine typischen Diabetes-Symptome. Trotzdem hat der Autoimmunprozess bereits begonnen. Das Risiko, im weiteren Leben einen klinisch manifesten Typ 1 Diabetes zu entwickeln, ist deutlich erhöht.

Stadium 2: Autoimmunität mit beginnender Stoffwechselveränderung

Zusätzlich zu den Autoantikörpern zeigen sich erste Veränderungen des Zuckerstoffwechsels, etwa erhöhte Blutzuckerwerte. Noch müssen nicht zwangsläufig Beschwerden auftreten. Das Risiko, in absehbarer Zeit einen symptomatischen Typ 1 Diabetes zu entwickeln, ist nun sehr hoch.

Stadium 3: Klinisch manifester Typ 1 Diabetes

Jetzt ist die Insulinproduktion so stark eingeschränkt, dass der Blutzucker deutlich ansteigt. Typische Symptome wie Durst, häufiges Wasserlassen und Gewichtsverlust können auftreten. Spätestens in diesem Stadium ist eine Behandlung mit Insulin erforderlich.

Halten wir fest: Diabetes Typ 1 beginnt nicht erst mit dem Auftreten erster spürbarer Symptome. Der Autoimmunprozess kann schon Jahre vorher nachweisbar sein.

Wer sollte sich testen lassen?

Eine Untersuchung auf Typ-1-Diabetes-Autoantikörper kann besonders für Kinder und Erwachsene mit einem erhöhten familiären Risiko interessant sein. Das gilt vor allem, wenn nahe Angehörige wie Vater, Mutter, Bruder oder Schwester an Diabetes Typ 1 erkrankt sind. Doch auch außerhalb von Familien mit Diabetes kann eine Früherkennung sinnvoll sein, denn tatsächlich tritt ein großer Teil der Neuerkrankungen bei Menschen OHNE bekannte familiäre Vorbelastung auf. Allerdings ist ein flächendeckendes Screening der gesamten Bevölkerung in Deutschland bislang nicht Bestandteil der allgemeinen Regelversorgung. Deshalb findet die Früherkennung vor allem im Rahmen von Studien und speziellen Screening-Programmen statt. Ob ein Test sinnvoll und möglich ist, hängt unter anderem vom Alter, der familiären Situation und eben den verfügbaren Programmen ab.

Diabetes-Früherkennung bei Babys und Kleinkindern

Gerade im frühen Kindesalter kann Diabetes Typ 1 schnell fortschreiten. Deshalb wurden in Deutschland verschiedene Programme zur Früherkennung entwickelt. Ein bekanntes aktuelles Beispiel ist die Fr1da-Studie. Sie richtet sich an Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren und untersucht eine Blutprobe auf Inselautoantikörper. Ziel ist es, einen Typ 1 Diabetes bereits im frühen, noch symptomlosen Stadium zu erkennen. Sind mindestens zwei relevante Autoantikörper nachweisbar, können die Familien informiert und die Kinder medizinisch weiter begleitet werden.

Die Freder1k-Studie setzt noch früher an. Hier werden Babys bereits in den ersten Lebensmonaten untersucht. Im Mittelpunkt steht zunächst die genetische Risikoeinschätzung. Ein speziell entwickelter Risikorechner berücksichtigt zahlreiche genetische Varianten und kann Kinder mit einem deutlich erhöhten Risiko für Typ 1 Diabetes identifizieren. Für diese Kinder kommen anschließend eventuell weitere Untersuchungen und Präventionsangebote infrage.

Erwähnenswert ist auch das Stuttgarter Modell, das einen anderen Fokus setzt. Hier steht nicht die Erkennung des Autoimmunprozesses im Mittelpunkt, sondern die Vermeidung einer schweren Ketoazidose bei bereits beginnendem, noch nicht erkanntem Typ 1 Diabetes. Eltern werden gezielt über Warnzeichen wie starken Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsverlust und Müdigkeit aufgeklärt. Das Ziel: Familien sollen die Symptome schneller erkennen und rechtzeitig medizinische Hilfe suchen. Gerade bei kleinen Kindern kann das entscheidend sein.

Ein bundesweit einheitliches, flächendeckendes Screening für alle Babys und Kleinkinder ist in Deutschland bisher nicht etabliert. Die Erfahrungen aus den Studien zeigen jedoch, dass eine frühzeitige Erkennung grundsätzlich möglich und für betroffene Familien hilfreich sein kann.

Möglichkeiten und Herausforderungen

Die Früherkennung von Diabetes Typ 1 bietet große Chancen. Wird ein erhöhtes Risiko früh erkannt, können Eltern und Kinder sich Schritt für Schritt auf das Leben mit der Erkrankung einstellen. Durch ärztliche Kontrollen lassen sich Veränderungen des Blutzuckers rechtzeitig erfassen. Dies wiederum sorgt dafür, dass eine Diagnose häufig besser vorbereitet und das Risiko einer schweren Ketoazidose bei Erkrankungsbeginn drastisch von über 30 auf unter drei Prozent reduziert werden kann. Auch für die Forschung sowie das eigene Wohl ist die Früherkennung wichtig: Wer sich bereits in einem frühen Stadium befindet, kann unter bestimmten Voraussetzungen an Studien zu neuen Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten teilnehmen.

Allerdings bringt ein Screening auch gewisse Herausforderungen mit sich. Ein positives Autoantikörper-Ergebnis kann für Familien zunächst sehr belastend sein. Denn ein solcher Befund bedeutet nicht immer, dass der richtige Ausbruch der Erkrankung unmittelbar bevorsteht. Umso wichtiger sind eine verständliche Beratung, eine zuverlässige Bestätigung auffälliger Befunde und eine strukturierte medizinische Begleitung.

Auch die Frage, wer wann getestet werden sollte, ist nicht so einfach zu beantworten. Eine Untersuchung bei Säuglingen kann genetische Risikofaktoren früh erfassen, sagt aber noch nicht sicher voraus, ob tatsächlich Diabetes Typ 1 entsteht. Bei Kleinkindern dagegen kann ein Autoantikörper-Screening einen bereits begonnenen Autoimmunprozess erkennen. Die bisherigen Angebote richten sich fast ausschließlich an Menschen mit familiärer Vorbelastung; ein allgemeines Screening der gesamten Bevölkerung wäre organisatorisch und finanziell deutlich aufwändiger.

Im Endeffekt hängt es also von der Situation ab, was sinnvoll ist:

  • Bei auffälligen Symptomen brauchst du keine Früherkennungsuntersuchung abzuwarten, sondern solltest direkt den Blutzucker ärztlich überprüfen lassen.

  • Im Falle eines erhöhten familiären Risikos kann eine Beratung über einen Autoantikörper-Test gut sein.

  • Für Kinder mit bekannten Risikofaktoren bieten spezielle Screening-Programme eine Möglichkeit, Typ 1 Diabetes bereits vor den ersten Symptomen zu erkennen. Eigentlich sollten die entsprechenden Angebote auf alle Kinder ausgeweitet werden, doch bislang müssen Eltern bzw. Erziehungsberechtigte üblicherweise selbst für die Untersuchungskosten aufkommen, wenn sie ein Kind ohne familiäre Vorbelastung screenen lassen wollen.

Wichtig ist in jedem Fall, dass ein auffälliger Befund fachärztlich eingeordnet und im Verlauf kontrolliert wird. Die Früherkennung kann den Diabetes zwar nicht verhindern; sie schafft aber wertvolle Zeit für die Vorbereitung und Betreuung sowie gegebenenfalls neue Präventionsansätze.

Diabetes Typ 1 im Blutbild feststellen

Ob ein Diabetes vorliegt, lässt sich vor allem anhand bestimmter Blutzuckerwerte feststellen. Für die Diagnose werden in erster Linie die Nüchternglukose, der HbA1c und – wenn erforderlich – der 2-Stunden-Wert beim oralen Glukosetoleranztest herangezogen.

UntersuchungNormalbereichErhöhtDiabetes
Nüchternglukoseunter 100 mg/dl (< 5,6 mmol/l)100 bis 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l)ab 126 mg/dl (≥ 7,0 mmol/l)
HbA1cunter 5,7 %5,7 bis 6,4 %ab 6,5 %
oGTT: 2-Stunden-Wertunter 140 mg/dl (< 7,8 mmol/l)140 bis 199 mg/dl (7,8 bis 11,0 mmol/l)ab 200 mg/dl (≥ 11,1 mmol/l)

Der starke Verdacht auf Diabetes Typ 1 sollte bei fehlenden eindeutigen Symptomen grundsätzlich durch eine zweite Messung oder ein anderes diagnostisches Verfahren bestätigt werden. Bei typischen Beschwerden kann auch ein Gelegenheitsblutzucker von mindestens 200 mg/dl (11,1 mmol/l) dafür sprechen, dass ein Typ 1 Diabetes vorliegt.

C-Peptid-Wert zur Klärung des Diabetes-Typs

Der Check des C-Peptid-Wertes ist kein klassischer Test, um einen Diabetes Typ 1 erstmals festzustellen. Er zeigt, wie viel körpereigenes Insulin die Bauchspeicheldrüse noch produziert. Deshalb kann er bei besonderen diagnostischen Fragestellungen helfen, beispielsweise wenn unklar ist, welcher Diabetes-Typ vorliegt oder wie stark die eigene Insulinproduktion noch ist. Die Diagnose eines Diabetes erfolgt jedoch nie anhand des C-Peptid-Wertes allein.

Tipp: Mehr über den C-Peptid-Wert erfährst du in unserem Diagnose-Beitrag.

Zusammenfassung und Schlusswort

Die Früherkennung von Diabetes Typ 1 kann dir helfen, entscheidende Veränderungen in deinem eigenen Körper oder gegebenenfalls in dem deines Kindes rechtzeitig wahrzunehmen und einzuordnen sowie angemessen zu handeln. Autoantikörper-Tests ermöglichen einen Nachweis des Autoimmunprozesses bereits vor den ersten Beschwerden. Insbesondere bei einem erhöhten Risiko für den autoimmunen Diabetes-Typ ist es vernünftig, früh aktiv zu werden, um Komplikationen wie einer diabetischen Ketoazidose vorzubeugen. Achte auf mögliche Symptome, nimm Screenings wahr und sprich Auffälligkeiten deinem Arzt oder deiner Ärztin gegenüber an. Je früher du Bescheid weißt, desto besser kannst du deine Gesundheit positiv mitgestalten.



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