Bewegung & Sport mit dem myLoop (CamAPS FX): Mehr Freiheit, bessere Blutzuckerkontrolle

Frau beim Yoga auf Fels am Meer
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Sport mit dem myLoop (CamAPS FX)

Sport und Bewegung sind zentrale Bausteine für Gesundheit, Lebensqualität und Stoffwechselkontrolle. Doch für Menschen mit Typ-1-Diabetes kann körperliche Aktivität häufig zu einer Herausforderung werden: Die Blutglukose kann je nach Intensität und Dauer unvorhersehbar schwanken, Muskelarbeit steigert die Insulinempfindlichkeit, während Adrenalinspitzen oder Wettkampfstress den Blutzucker nach oben treiben können. Auch nach dem Sport hört das nicht auf, der Nachbrenneffekt beeinflusst den Blutzuckerspiegel noch bis zu 48 Stunden nach dem Training. Viele Betroffene kennen die Angst vor Hypoglykämien (Unterzuckerung) während oder nach dem Sport, aber auch die frustrierende Erfahrung von Hyperglykämien (Überzuckerung) direkt nach dem Sport. Diese Unsicherheiten erschweren es, spontane oder geplante Bewegung entspannt zu genießen.

Hier kannst du mehr lesen über Diabetes Typ 1 und Sport.

Automatisierte Insulin-Delivery-Systeme (AID) sind eine echte Erleichterung: Sie passen die Insulinzufuhr in Echtzeit an aktuelle Gewebeglukosedaten an und können Blutzuckerschwankungen reduzieren. Allerdings haben viele kommerzielle Systeme Einschränkungen: Moduswechsel sind teils kompliziert, Reaktionen auf unterschiedliche Belastungsarten nicht flexibel oder schnell genug oder sie erfordern viel manuelles Eingreifen. Der myLoop hingegen kombiniert eine einfache Bedienung mit einem leistungsstarken Algorithmus. Er reagiert dynamisch auf Veränderungen des Glukosespiegels, ermöglicht flexible und spontane Einstellungen für Sportphasen und entlastet NutzerInnen bei der Planung und Durchführung ihrer Sporteinheit.

Komponenten und Funktionsweise des myLoops in Bezug auf Sport

Der myLoop - ehem. mylife Loop - ist ein modulares Hybrid-Closed-Loop-System mit Insulinpumpe, CGM-Sensor und der CamAPS FX App. Die App steuert alle 8–12 Minuten automatisch die Insulinzufuhr, basierend auf aktuellen Gewebeglukosedaten. Mehr Informationen gibt es auf der myLoop Diabetescare Website oder in unserem myLoopHub.

Allgemeine Zahlen, Daten, Fakten rund das myLoop-AID-System mit CamAPS FX

  • Die schlauchgebundene YpsoPump ist in Europa für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Typ 1 Diabetes zugelassen. In Kombination mit dem an der Universität Cambridge entwickelten CamAPS-FX-Algorithmus gehört das System zu den wenigen AID-Systemen, die bereits für sehr junge Kinder ab einem Jahr eingesetzt werden können.

  • Die Insulinpumpe ist kompakt gebaut und wiegt etwa 83 Gramm inklusive Batterie und gefüllter Insulinkartusche. Durch ihre schlichte, reduzierte Form und die Möglichkeit, sie direkt am Körper oder unter Kleidung zu tragen, fällt sie im Alltag meist wenig auf.

  • Für die Pumpe gibt es Hüllen in mehreren Farben, sie lässt sich damit auch optisch personalisieren.

  • Das Reservoir fasst rund 160 Einheiten Insulin (1,6 ml).

  • Die Tragedauer einer Kartusche liegt – wie bei vielen Insulinpumpen – bei etwa drei Tagen.

  • Die YpsoPump verfügt über die Schutzklasse IPX8 und ist damit bis zu 60 Minuten in einer Tiefe von etwa einem Meter wasserdicht. Für längeres Schwimmen oder anderen Wassersport empfiehlt der Hersteller jedoch in der Regel, die Pumpe abzulegen.

  • Auch Reisen und Aufenthalte in größeren Höhen sind mit dem System möglich. Wie bei allen Insulinpumpen können sich bei starkem Druckunterschied – etwa im Flugzeug oder im Hochgebirge – kleine Luftblasen im Reservoir oder im Schlauchsystem ausdehnen. Dadurch kann es theoretisch zu einer unbeabsichtigten Insulinabgabe kommen. Deshalb ist es sinnvoll, beim Befüllen der Kartusche darauf zu achten, dass möglichst keine größeren Luftblasen im System verbleiben. Sehr kleine Bläschen sind meist unproblematisch, größere sollten jedoch entfernt werden.

Mit welchen Sensoren ist der myLoop (CamAPS FX) kompatibel?

Das automatisierte Insulinabgabesystem myLoop (CamAPS FX) ist mit folgenden CGM-Sensoren kompatibel:

  • Dexcom G6

  • Dexcom G7

  • FreeStyle Libre 3

  • FreeStyle Libre 3 Plus

Diese Sensoren übertragen Glukosedaten an die CamAPS FX App, die dann die Insulinabgabe der YpsoPump automatisch steuert.

Relevante Funktionen des myLoops im Kontext Bewegung und Sport

  • Ease-off-Modus: Reduziert die Insulinabgabe bei erhöhter Aktivität, senkt das Hypoglykämierisiko. Lässt sich bis zu 24h im Voraus planen, bspw. für Sport direkt nach dem Aufstehen.

  • Boost-Modus: Unterstützt nach dem Training oder bei intensiven Sportarten, wenn Blutzuckeranstiege erwartet werden. Auch der Boost-Modus lässt sich bis zu 24h im Voraus planen.

  • Anpassung des BZ-Ziels: Der Blutzucker-Zielwert kann zwischen 98 und 180 mg/dl (5,4 - 10 mmol/l) frei gewählt werden – auch eine Anpassung je nach Tageszeit ist möglich.

  • Eingabe von Hypo-Snacks: Zur Abwendung einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) können Kohlenhydrate als Hypo-Mahlzeit eingegeben werden. Sie verhindern eine Korrektur des darauffolgenden Blutzuckeranstiegs durch den Algorithmus für die folgenden 30 Minuten.

  • Automatisches Lernen: Der Algorithmus merkt sich Muster bei Sport, der regelmäßig ausgeübt wird und reagiert bei wiederholter Belastung intelligenter.

  • Schneller Moduswechsel: Einfaches Umschalten zwischen Ruhe- und Aktivitätsphasen direkt über das Smartphone.

  • Adaptive Insulinempfindlichkeit: Berücksichtigt Tageszeit, Belastungsintensität und individuelle Stoffwechselreaktionen.

  • Keine Unterbrechung der Insulinabgabe bei Verbindungsproblemen – auch bei Verbindungsabbruch wird die Insulinabgabe im automatischen Modus für 30 Minuten fortgesetzt. Das ist besonders hilfreich bei Feldsportarten oder Wassersport, wo die Verbindung zum Smartphone kurzzeitig mal abbrechen kann.

Diese Funktionen sorgen dafür, dass Bewegung und Sport nicht nur geplant, sondern auch relativ spontan gestartet werden kann und der Blutzucker adaptiv durch das System stabilisiert wird – auch bei Kraftsport, Ausdauersport oder Wassersport.

Anwendung des myLoops mit CamAPS FX vor und während der Sporteinheit

Das in Diabetologia (2025) veröffentlichte Paper „The use of automated insulin delivery around physical activity and exercise in type 1 diabetes“ von Moser et al. beschreibt praxisnah, wie AID-Systeme – darunter auch der myLoop (CamAPS FX) – vor, während und nach körperlicher Aktivität eingesetzt werden können. Ein besonderer Fokus liegt auf der Nutzung von temporär erhöhten Glukosezielen, der Reduktion von Insulin-on-Board sowie der situationsabhängigen Kohlenhydratzufuhr auf Basis von CGM-Trendpfeilen. Im Folgenden sind die konkreten Therapieempfehlungen für myLoop aus dem Paper zusammengefasst. Sie dienen als Orientierung und müssen im Alltag individuell und situationsabhängig angepasst werden. Bei Unsicherheiten oder wiederkehrenden Problemen wird ausdrücklich die Rücksprache mit dem behandelnden Diabetes-Team empfohlen.

Vor dem Sport

Szenario 1: Geplante Aktivität, erwarteter Blutzuckerabfall

  • Aktiviere den Ease-Off-Modus und/oder erhöhe das Glukoseziel ein bis zwei Stunden vor dem Training oder Wettkampf.

  • Reduziere den Mahlzeitenbolus um 25 bis 33 %, wenn du deine Sporteinheit innerhalb der nächsten zwei Stunden nach dem Essen startest.

Szenario 2: Geplante Aktivität, erwarteter Blutzuckeranstieg

  • Aktiviere den Boost-Modus und/oder reduziere den Zielwert unmittelbar vor Beginn der Sporteinheit oder bleib bei deiner regulären Zielwerteinstellung.

  • Verabreiche den “normalen” bzw. vollständigen Mahlzeitenbolus.

Szenario 3: Spontane, ungeplante Aktivität, erwarteter Blutzuckerabfall

  • Aktiviere den Ease-Off-Modus und/oder erhöhe das Glukoseziel.

  • Konsumiere vor dem Workout 10 bis 20 g schnelle Kohlenhydrate, wenn dein Blutzucker laut der letzten Sensormessung unter 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l liegt.

  • Prüfe, wie viel wirksames Insulin du gerade im Körper hast, um die erforderliche Kohlenhydratmenge einschätzen zu können.

Szenario 4: Spontane, ungeplante Aktivität, erwarteter Blutzuckeranstieg

  • Reduziere den Zielwert unmittelbar vor Beginn der Sporteinheit oder bleib bei deiner regulären Zielwerteinstellung.

  • Du benötigst keine oder nur eine geringe Menge an Kohlenhydraten.

Während des Sports

Szenario 1: Aktivität mit erwartetem starken Blutzuckerabfall

  • Stelle den Ease-Off-Modus ein und erhöhe das Glukoseziel auf mindestens 150 mg/dl bzw. 8,3 mmol/l.

  • Nimm 12 bis 20 g schnelle Kohlenhydrate zu dir, wenn dein Blutzucker unter 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l fällt.

  • Beachte das momentan in deinem Körper wirksame Insulin, deinen aktuellen Gewebezuckerwert und den Trendpfeil, um die adäquate Menge an Kohlenhydraten zu bestimmen.* 

Szenario 2: Aktivität mit erwartetem tendenziellen Blutzuckerabfall

  • Stelle den Ease-Off-Modus ein und erhöhe das Glukoseziel auf mindestens 121 mg/dl bzw. 6,7 mmol/l.

  • Nimm 6 bis 12 g schnelle Kohlenhydrate zu dir, wenn dein Blutzucker unter 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l fällt.

  • Beachte das momentan in deinem Körper wirksame Insulin, deinen aktuellen Gewebezuckerwert und den Trendpfeil, um die adäquate Menge an Kohlenhydraten zu bestimmen.*

Szenario 3: Aktivität mit möglichem Blutzuckerabfall oder -anstieg

  • Stelle den Ease-Off-Modus ein ODER erhöhe das Glukoseziel auf 150 mg/dl bzw. 8,3 mmol/l.

  • Nimm 3 bis 6 g schnelle Kohlenhydrate zu dir, wenn dein Blutzucker unter 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l fällt.

  • Beachte das momentan in deinem Körper wirksame Insulin, deinen aktuellen Gewebezuckerwert und den Trendpfeil, um die adäquate Menge an Kohlenhydraten zu bestimmen.*

Szenario 4: Aktivität mit erwartetem tendenziellen Blutzuckeranstieg

  • Stell einen Glukose-Zielwert zwischen 79 und 121 mg/dl bzw. 4,4 und 6,7 mmol/l ein.

  • Aktiviere den Boost-Modus zu Beginn des Trainings, falls erforderlich.

  • Du benötigst in der Regel keine oder nur wenige Kohlenhydrate.

Szenario 5: Aktivität mit erwartetem starken Blutzuckeranstieg

  • Stell einen Glukose-Zielwert zwischen 79 und 99 mg/dl bzw. 4,4 und 5,5 mmol/l ein.

  • Aktiviere den Boost-Modus zu Beginn des Trainings, falls erforderlich.

  • Du benötigst in der Regel keine oder nur wenige Kohlenhydrate.

* Empfohlene Kohlenhydratmengen je nach Trendpfeil:

  • Bei horizontalem Trendpfeil: 3 bis 6 g

  • Bei leicht fallendem Trendpfeil: 6 bis 9 g

  • Bei fallendem Trendpfeil: 9 bis 12 g

  • Bei zwei oder drei fallenden Trendpfeilen: 12 bis 20 g

Tipp: Überprüfe den CGM-Glukosewert etwa 15 bis 20 Minuten nach dem Verzehr der Kohlenhydrate und konsumiere bei Bedarf noch eine Portion.

Othmar Moser im Interview zu myLoop

Im Folgenden findest du ein Interview zu myLoop mit Prof. Dr. Othmar Moser, einem der renommiertesten und führenden Experten im deutschsprachigen Raum, wenn es um das Thema Diabetes und Sport geht. Als Sportwissenschaftler und Physiologe verbindet er akademische Spitzenforschung mit spürbarer Praxisnähe – nicht zuletzt, weil er selbst mit Typ-1-Diabetes lebt. Im Interview teilt er sein Wissen und seine Tipps zum Sport mit der myLoop mit dir:

Konkrete Beispiele von sportlichen Alltagssituationen

Bewegung im Alltag und Sport sind so vielfältig wie das Leben selbst. Hier einige typische Szenarien, in denen der myLoop seine Stärken zeigt:

Bei Alltagsbewegungen wie Putzen oder Gartenarbeit reicht oft der Ease-off-Modus, um Unterzuckerungen vorzubeugen. Spaziergänge oder Wanderungen profitieren von der automatischen Reduktion der Basalrate. Bei spontanem Sport wie einem Fußballspiel im Park reagiert der Loop dynamisch ohne langes Vorplanen. Geplante Trainingseinheiten wie Joggen oder Radfahren lassen sich mit temporären Zielwerten und Ease-off ideal vorbereiten.

Im Ausdauersport wie Marathon oder Radmarathon zeigt sich die Lernfähigkeit des Algorithmus: Wiederholte Belastungen werden immer besser ausbalanciert. Krafttraining mit kurzen, intensiven Intervallen erfordert oft den Boost-Modus, um postexercise Hyperglykämien zu vermeiden. Bei körperbetonten Sportarten wie Yoga oder Tanz ist die diskrete Smartphone-Steuerung praktisch. Wassersportarten erfordern wasserdichte Lösungen und gute Planung für Sensor & Pumpe, hier helfen flexible Tragesysteme. Im Leistungssport zählt Präzision – hier kombiniert der myLoop dynamische Anpassungen mit verlässlichen Trenddaten für optimale Performance.

SzenarioHerausforderungen bei T1DUnterstützung durch den myLoop
Alltagsbewegung (z. B. Putzen, Gartenarbeit)Ungeplante Aktivität → Risiko für HypoglykämienEase-off-Modus und eine Zielwertanpassung reduzieren die Insulinabgabe
Spaziergänge & WanderungenLängere moderate Belastung → schwankender Blutzucker(Geplanter) Ease-off-Modus und die Zielwertanpassung reduzieren die Insulinabgabe
Spontaner Sport (z. B. Fußball mit Freunden)Keine Vorplanung möglich → Unter- oder ÜberzuckerungenEase-Off-Modus, Zielwertanpassung und Hypo-Snack eingeben
Geplanter Sport (z. B. Joggen, Radfahren)Schwieriges Timing von Mahlzeit, Bolus und BewegungZielwert anpassen und planen, sowie Ease-Off-Modus planen
Ausdauersport (z. B. Marathon)Lange Belastungen → spätere Hypoglykämien möglichZielwert anpassen, Ease-Off-Modus planen, bei Bedarf Hypo-Snack eingeben, besonders regelmäßig trainieren, damit Algorithmus optimal lernt. Ease-Off und Zielwertanpassung auch für Nachbrenneffekt nutzen!
KrafttrainingAdrenalin → Hyperglykämien nach dem TrainingBoost-Modus kann einen Blutzuckeranstieg abfangen, ggf. planen
Körperbetonte Sportarten (z. B. Yoga, Tanz)Diskretion und Bewegungsfreiheit erforderlichKleine Pumpe (so groß wie eine Scheckkarte) ermöglicht diskretes und sicheres Verstauen. Smartphone liegt am “Seitenrand”
Wassersport (z. B. Schwimmen)Pumpen- & Sensorschutz notwendigInsulinpumpe und CGM-Sensoren sind wasserdicht, Verbindung alle 30 Minuten sicherstellen, für ununterbrochene Funktion des automatischen Modus.
LeistungssportHohe Intensität → präzise BZ-Kontrolle erforderlichKombination aller Funktionen. Besonders regelmäßiges Training erleichtert die Blutzuckerkontrolle durch lernenden Algorithmus. Zielwertanpassung und Ease-Off oder Boost-Modus eignen sich optimal für Training und Wettkampf.

Studien und Erkenntnisse speziell zum myLoop mit CamAPS FX

Zwei Studien von Moser et al., die bei Kindern und Jugendlichen mit Typ 1 Diabetes unter Verwendung des myLoop-Systems mit CamAPS FX durchgeführt wurden, zeigten, dass die Nutzung des Ease-off-Modus’ während körperlicher Aktivität sichere Glukosespiegel begünstigt. Konkret führte die Erhöhung des Glukoseziels auf 150 mg/dl bzw. 8,3 mmol/l und zusätzlich das Starten des Ease-off-Modus’ zwei Stunden vor maximalen kardiopulmonalen (das Herz und die Lunge betreffend) Belastungstests zu stabilen Glukosespiegeln bei jungen Menschen mit Diabetes Typ 1 und damit auch zu weniger Hypos.

Links zu den beiden Studien:

Vergleich mit anderen AID-Systemen

Automatische Basalanpassung, Zielbereichssteuerung und Korrekturboli können inzwischen praktisch alle AID-Systeme. Die Unterschiede liegen mehr in der Logik dahinter – also wie der Algorithmus rechnet – und in den konkreten Funktionen, die du für Bewegung und Sport nutzen kannst.

Beim myLoop mit CamAPS FX arbeitet das System nicht mit einer klassischen Basalrate; stattdessen ermittelt es die Insulinabgabe dynamisch auf Basis des Durchschnitts deines gesamten täglichen Insulinbedarfs. Anpassungen hängen nicht an festen Basalprofilen, sondern werden kontinuierlich neu berechnet. Dazu stehen dir mit Ease Off und Boost zwei sehr direkte Werkzeuge für deine sportlichen Aktivitäten zur Verfügung: Du kannst die Insulinwirkung gezielt dämpfen (z.B. vor Ausdauerbelastung) oder bewusst verstärken (z.B. bei Anstiegen während intensiver Einheiten). In Kombination mit frei einstellbaren Zielwerten ergibt sich ein System, das stark auf situative Steuerung ausgelegt ist.

Die t:slim X2 mit Control-IQ verfolgt einen anderen Ansatz. Hier bleibt die Basalrate als strukturelle Grundlage erhalten, wird aber durch den Algorithmus laufend angepasst. Die Besonderheit liegt in der Kombination aus Personal Profiles, Bewegungsmodus und algorithmischer Prognose. Du kannst z.B. unterschiedliche Profile für Trainingstage hinterlegen und diese mit dem Exercise Mode kombinieren – oder sogar den Sleep Mode zweckentfremden, wenn du eine andere Zielbereichslogik brauchst. Im Vergleich zum myLoop steuerst du also weniger direkt über einzelne Funktionen wie Ease Off oder Boost, sondern eher über das Zusammenspiel mehrerer Einstellungen.

Die MiniMed 780G verzichtet auf die Komplexität des myLoop oder der t:slim X2. Sie setzt mehr auf Automatisierung und bietet im Prinzip einen klar definierten Sportmodus, der Zielwerte anhebt und Korrekturen anpasst. Deine Eingriffsmöglichkeiten sind deutlich begrenzter als bei den beiden anderen Systemen. Dafür hast du hier ein sehr konsistentes, weitgehend selbstständig arbeitendes System.

Patch-Lösungen wie der komplett schlauchlose Omnipod 5 oder die Kaleido mit DBLG1 oder DBLG2 bieten ebenfalls Aktivitäts- bzw. Sportmodi, die Zielbereiche anheben und die Insulinabgabe vorsichtiger gestalten. Sie zeichnen sich jedoch in erster Linie durch ihre andersartige “Hardware” aus: Der fehlende (Omnipod 5) bzw. ultrakurze (Kaleido) Schlauch sorgt dafür, dass du dich freier bewegen kannst. Insbesondere bei Kontakt- und Wassersportarten bieten diese beiden Systeme oft praktische Vorteile. 

Kurzum: Während der myLoop stark auf direkte, situationsabhängige Eingriffe setzt, arbeitet die t:slim X2 mit kombinierbaren Strukturen, die MiniMed 780G mit maximaler Automatisierung und die Patch-Lösungen Omnipod 5 sowie Kaleido nutzen klar definierte Aktivitätsmodi. Welche dieser Logiken beim Sport und generell im Alltag am besten zu dir passt, hängt weniger von einzelnen Funktionen ab als davon, wie du dein Training planst und wie intensiv du selbst aktiv eingreifen möchtest.

Vor- und Nachteile des myLoop Systems beim Sport

Vorteile:

  • Umfangreiche Funktionen wie die Zielwertanpassung zwischen 98 - 180 mg/dl (5,4 - 10 mmol/l), Ease-Off- oder Boost-Modus sowie die Eingabe von Hypo-Snacks erleichtern die Blutzuckerkontrolle bei Bewegung und Sport

  • Eingabe von Hypo-Snacks reduziert das erneute Hypo-Risiko durch zu hohe Korrektur im Automodus

  • Planbare Boost- und Ease-Off-Modi ermöglichen gezieltere Blutzuckerkontrolle auch am frühen Morgen oder späten Abend bzw. in der Nacht.

  • Schneller und leichter Reservoirwechsel dank vorgefüllter Reservoire, auch wenn die Sport-Session in fünf Minuten beginnt.

  • Diskrete Smartphone-Steuerung für gute Blutzuckersteuerung in jedem Moment – beim Turnier, im Fitnessstudio oder auf dem Fahrrad.

  • Mehrere Sensor-Partner: Unterstützt werden aktuell die Sensoren Dexcom G6 und FreeStyleLibre 3 (plus). Die Integration des Dexcom G7 ist in der Entwicklung.

  • Schulung und Einführung können online erfolgen, zur Ersteinstellung bietet Ypsomed eine persönliche Betreuung durch den eigenen Außendienst.

Nachteile:

  • Abhängigkeit vom Smartphone: Das System läuft nur in Bluetooth-Reichweite des Smartphones, diese kann je nach CGM-Sensor und Smartphone variieren. Bei leerem Akku oder Signalstörungen springt das System in einen Basalmodus zurück – Bolusgabe ggf. manuell notwendig. Bei kurzzeitigem Signalverlust läuft der automatische Modus für maximal 30 Minuten weiter, bevor das System in den Basalmodus springt.

  • Der Funktionsumfang kann etwas Eingewöhnung fordern, um Funktionen wie Ease-Off- oder Boost-Modus bzw. die richtige Menge an Hypo-Snacks herauszufinden. Wer sie gut versteht und gezielt nutzt, kann seine BZ-Werte bei Bewegung und Sport spielend leicht mit dem myLoop steuern.

Besonders der Umstieg von Pen auf AID-System erfordert neue Strategien und Einstellungen, hier empfehlen wir dir, dir ausreichend Zeit zu nehmen, um deine perfekte Strategie für Bewegung und Sport mit einem AID-System zu erarbeiten. Helfen kann dir dabei auch unsere Online-Schulung zum Thema Diabetes & Sport. Das Tragen einer Insulinpumpe kann bei bestimmten Sportarten unangenehm oder schwierig sein (Vollkontaktsportarten, Wassersportarten, etc.), auch hier geben wir dir Tipps und Anregungen in unserer Online-Schulung.

Online Schulungen für Diabetes Typ 1 Betroffene

Für wen ist der myLoop besonders geeignet?

  • Menschen mit Diabetes Typ 1, die regelmäßig Sport treiben (z.B. Training am Abend, Wettkämpfe, morgendliches Joggen): Der „Ease-off“-Modus kann bereits bis zu 24 Stunden im Voraus aktiviert oder geplant werden, wodurch die Insulinabgabe ab dem gewünschten Zeitpunkt reduziert wird und das Hypoglykämierisiko während der Aktivität sinkt. Dadurch eignet sich das System besonders für Personen mit strukturierten Trainingszeiten, da die Anpassung gezielt vorbereitet werden kann.

  • SportlerInnen, deren Insulinbedarf vor, während und nach dem Training stark schwankt: CamAPS FX bietet zusätzlich zum Ease-off-Modus einen „Boost“-Modus, der bei intensiver anaerober Belastung oder in Wettkampfsituationen aktiviert werden kann, wenn Blutzuckeranstiege z.B. durch Stresshormone auftreten. Diese Kombination ist besonders hilfreich bei Intervalltraining, Krafttraining oder Wettkampfsport, wo beim Sport häufig Überzuckerungen auftreten können.

  • SportlerInnen, die kurzfristig Kohlenhydrate zur Hypo-Prävention einbauen möchten: In CamAPS FX kannst du Hypo-Snacks direkt eingeben, sodass der Algorithmus berücksichtigt, dass Kohlenhydrate aufgenommen wurden: Die Insulinabgabe wird bis zu 30 Minuten gestoppt. Dadurch reagiert das System weniger aggressiv mit zusätzlichem Insulin – ein Vorteil während längerer Belastung.

  • Für geplante Sporteinheiten können die Zielwerte individuell im 30-Minuten-Takt zwischen 80 und 200 mg/dl (4,4 - 11,1 mmol/l) programmiert werden. Auch für spontane Sporteinheiten kann diese Funktion zusätzlich zum Ease-Off oder Boost-Modus genutzt werden.

  • SportlerInnen, die ihre Therapie während der Aktivität diskret über das Smartphone steuern möchten: Der myLoop wird direkt über das Smartphone gesteuert, ohne separates Steuergerät. Das erleichtert Anpassungen z.B. während eines Spiels, beim Radfahren oder im Fitnessstudio, setzt allerdings eine aktive Verbindung zum Handy voraus.

Fazit

Der myLoop bringt neue Freiheit für Menschen mit Typ-1-Diabetes im Alltag und Sport. Weniger Hypoglykämien, flexible Moduswechsel und ein lernender Algorithmus erleichtern Bewegung jeder Art – vom Spaziergang bis zum Leistungssport. Wer körperliche Aktivität entspannt genießen möchte, findet im myLoop einen starken Partner für stabile Blutzuckerwerte und mehr Lebensqualität. Spannende Einblicke in ihren Alltag als Sportlerin mit dem myLoop gibt dir Kathi Korn in unserem Interview.

In unserem myLoop Hub findet ihr alle Informationen rund um den myLoop, sowie Tipps für den Umgang bei Ernährung, beim Reisen, für Kinder oder Schwangere (bzw. die, die es werden wollen). Auf unserer Wissensplattform findet ihr außerdem weitere Artikel zum Thema Sport & Bewegung mit Diabetes Typ 1.

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